Was nach dem Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) heute gilt, was die Richtlinie (EU) 2023/970 ändern wird und wie weit die Umsetzung in Deutschland ist.
Stand 2. Oktober 2026: Die Frist zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/970 ist am 7. Juni 2026 abgelaufen (Art. 34). Ein deutscher Gesetzentwurf liegt noch nicht vor; das zuständige Bundesministerium bereitet ihn nach Auskunft der Bundesregierung vor (BT-Drs. 21/7026). Bis zum Umsetzungsgesetz gilt für Arbeitgeber und Beschäftigte das EntgTranspG. Details: Stand der Umsetzung in Deutschland.
Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) regelt seit Juli 2017 die Transparenz von Entgeltstrukturen in Deutschland. Es soll den Grundsatz der Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit durchsetzen. Die Richtlinie (EU) 2023/970 erweitert diese Pflichten deutlich. Ihre Umsetzungsfrist ist am 7. Juni 2026 verstrichen, ohne dass Deutschland ein Umsetzungsgesetz erlassen hat. Die neuen Pflichten werden für private Arbeitgeber erst mit diesem Gesetz verbindlich.
Das am 6. Juli 2017 in Kraft getretene Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen basiert auf Artikel 157 AEUV und der Richtlinie 2006/54/EG. Es umfasst drei zentrale Instrumente:
Eine ausführliche Darstellung aller Paragraphen und Pflichten finden Sie im Leitfaden zum Entgelttransparenzgesetz.
Die Richtlinie (EU) 2023/970 vom 10. Mai 2023 verschärft die Anforderungen an Gehaltstransparenz erheblich. Die rechte Spalte zeigt die Mindestvorgaben der Richtlinie; wie Deutschland sie umsetzt, legt erst das Umsetzungsgesetz fest.
| Bereich | EntgTranspG (geltendes Recht) | Richtlinie (EU) 2023/970 (nach Umsetzung) |
|---|---|---|
| Auskunftsanspruch | Betriebe mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten (§ 12 Abs. 1) | Alle Arbeitnehmer, ohne Größenschwelle (Art. 7) |
| Berichtspflicht | Lageberichtspflichtige Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschäftigten (§ 21) | Ab 100 Arbeitnehmern, gestaffelt nach Größe (Art. 9) |
| Bewerbungsphase | Keine Pflicht zur Entgeltangabe | Information über Einstiegsentgelt oder Spanne, z. B. in der Ausschreibung oder vor dem Vorstellungsgespräch (Art. 5 Abs. 1) |
| Gehaltshistorie | Keine ausdrückliche Regelung | Verbot der Frage nach der Entgeltentwicklung in früheren Beschäftigungsverhältnissen (Art. 5 Abs. 2) |
| Rechtsfolgen | Beweislast des Arbeitgebers bei unterlassener Auskunft (§ 15 Abs. 5); Vermutung nach § 22 AGG | Sanktionen einschließlich Geldbußen (Art. 23) und vollständiger Schadensersatz (Art. 16) |
| Entgeltbewertung | Freiwilliges Prüfverfahren (§ 17) | Gemeinsame Entgeltbewertung bei nicht gerechtfertigtem Unterschied von mindestens 5 % in einer Gruppe, der nicht binnen sechs Monaten beseitigt wird (Art. 10) |
Zur vertieften Analyse: Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in Deutschland und Gehaltsangabe in Stellenanzeigen nach Art. 5.
Die Fristen der Berichterstattung stehen unmittelbar in Art. 9 der Richtlinie. Ob das deutsche Umsetzungsgesetz sie unverändert übernimmt, ist offen.
| Frist | Pflicht | Betroffene |
|---|---|---|
| 7. Juni 2026 (verstrichen) | Umsetzung der Richtlinie in deutsches Recht (Art. 34) | Gesetzgeber; Gesetzentwurf steht aus |
| Ab Inkrafttreten des Umsetzungsgesetzes | Entgelttransparenz vor der Beschäftigung (Art. 5), Auskunftsrecht (Art. 7) | Alle Arbeitgeber |
| 7. Juni 2027 | Erster Bericht zum Entgeltgefälle (Bezugsjahr 2026), danach jährlich (Art. 9 Abs. 2) | Ab 250 Arbeitnehmern |
| 7. Juni 2027 | Erster Bericht, danach alle drei Jahre (Art. 9 Abs. 3) | 150 bis 249 Arbeitnehmer |
| 7. Juni 2031 | Erster Bericht, danach alle drei Jahre (Art. 9 Abs. 4) | 100 bis 149 Arbeitnehmer |
Ein mittelständisches Unternehmen mit 280 Beschäftigten müsste nach Art. 9 Abs. 2 bis zum 7. Juni 2027 erstmals die Angaben zum Entgeltgefälle für das Kalenderjahr 2026 vorlegen und danach jährlich. Die Angaben gehen an die national zuständige Stelle; die Veröffentlichung auf der eigenen Website ist nach Art. 9 Abs. 7 möglich, aber nicht vorgeschrieben. Die Vorbereitungsschritte fasst die Checkliste zur Berichtspflicht 2027 zusammen.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) veröffentlicht jährlich den unbereinigten und den bereinigten Gender Pay Gap. Die jeweils aktuellen Werte stehen auf der Themenseite von Destatis. Einordnung, Methodik und EU-Vergleich: Statistik zum Gender Pay Gap in Deutschland.
Erteilt ein Arbeitgeber die Auskunft nach § 10 EntgTranspG nicht, trägt er im Streitfall die Beweislast dafür, dass kein Verstoß gegen das Entgeltgleichheitsgebot vorliegt (§ 15 Abs. 5 EntgTranspG). Unabhängig davon gilt die Beweislastregel des § 22 AGG: Liegt das mitgeteilte Vergleichsentgelt des anderen Geschlechts über dem eigenen Entgelt, begründet dies die Vermutung einer Benachteiligung wegen des Geschlechts (BAG, Urteil v. 21.01.2021 – 8 AZR 488/19). Die Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten zusätzlich zu wirksamen, verhältnismäßigen und abschreckenden Sanktionen einschließlich Geldbußen (Art. 23).
Alle Paragraphen und Pflichten des Entgelttransparenzgesetzes
Checkliste Berichtspflicht 2027Schwellenwerte, Fristen und die fünf Vorbereitungsschritte zum ersten Entgeltbericht
Umsetzung in DeutschlandRichtlinie (EU) 2023/970: Stand des Gesetzgebungsverfahrens und Zeitplan
Gehaltsangabe in StellenanzeigenWas Art. 5 der Richtlinie verlangt und was heute schon gilt
Gender Pay Gap StatistikDaten von Destatis, Methodik und EU-Vergleich
BeweislastumkehrKonsequenzen für Arbeitgeber bei Verstößen gegen das Entgeltgleichheitsgebot
Entgeltanalyse-MethodenPrüfverfahren, Tools und Methoden zur Analyse der Entgeltgleichheit
Alles zum Entgelttransparenzgesetz: Auskunftsanspruch, Prüfverfahren, Berichtspflicht und praktische Umsetzung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Stand 20.10.2026.
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Das Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen (EntgTranspG) vom 30. Juni 2017 soll das Gebot des gleichen Entgelts für Frauen und Männer bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit durchsetzen. Es beruht auf Artikel 157 AEUV und der Richtlinie 2006/54/EG. Kerninstrumente sind der individuelle Auskunftsanspruch (§§ 10 bis 16), das betriebliche Prüfverfahren (§§ 17 bis 20) und der Bericht zur Gleichstellung und Entgeltgleichheit (§§ 21, 22). Bis zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2023/970 gilt es unverändert.
Der Auskunftsanspruch nach § 10 EntgTranspG besteht in Betrieben mit in der Regel mehr als 200 Beschäftigten bei demselben Arbeitgeber (§ 12 Abs. 1). Beschäftigte können Auskunft zum durchschnittlichen monatlichen Bruttoentgelt einer Vergleichstätigkeit und zu bis zu zwei einzelnen Entgeltbestandteilen verlangen; angegeben wird der auf Vollzeit hochgerechnete statistische Median (§ 11 Abs. 3). Üben weniger als sechs Beschäftigte des anderen Geschlechts die Vergleichstätigkeit aus, wird das Vergleichsentgelt nicht angegeben (§ 12 Abs. 3).
Nicht unmittelbar. Die Richtlinie (EU) 2023/970 hätte bis zum 7. Juni 2026 umgesetzt werden müssen (Art. 34). Deutschland hat die Frist verpasst; laut Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7026) soll das Gesetzgebungsverfahren erst eingeleitet werden (Stand 2. Oktober 2026). Zwischen privaten Arbeitgebern und Beschäftigten wirkt eine Richtlinie nicht unmittelbar; maßgeblich bleibt bis zum Umsetzungsgesetz das EntgTranspG. Die Richtlinie sieht unter anderem vor: Information über Einstiegsentgelt oder Spanne vor der Beschäftigung (Art. 5), Auskunftsrecht ohne Größenschwelle (Art. 7), Berichterstattung ab 100 Beschäftigten (Art. 9) und eine gemeinsame Entgeltbewertung bei einem nicht gerechtfertigten Unterschied von mindestens 5 Prozent (Art. 10).
Nach geltendem Recht trägt ein Arbeitgeber, der die Auskunft nach § 10 EntgTranspG nicht erteilt, im Streitfall die Beweislast dafür, dass kein Verstoß gegen das Entgeltgleichheitsgebot vorliegt (§ 15 Abs. 5 EntgTranspG). Davon zu unterscheiden ist § 22 AGG: Liegt das Vergleichsentgelt des anderen Geschlechts über dem eigenen Entgelt, begründet das nach dem BAG die Vermutung einer Benachteiligung wegen des Geschlechts (BAG, Urteil v. 21.01.2021 – 8 AZR 488/19). Die Richtlinie verlangt zusätzlich Sanktionen einschließlich Geldbußen (Art. 23) und vollständigen Schadensersatz (Art. 16); in Deutschland gelten diese erst mit dem Umsetzungsgesetz.
Nach § 17 Abs. 1 EntgTranspG sind private Arbeitgeber mit in der Regel mehr als 500 Beschäftigten aufgefordert, ihre Entgeltregelungen regelmäßig mithilfe betrieblicher Prüfverfahren auf die Einhaltung des Entgeltgleichheitsgebots zu überprüfen. Eine Pflicht ist das nicht. Das Verfahren besteht aus Bestandsaufnahme, Analyse und Ergebnisbericht (§ 18). Verbindlich wird nach Umsetzung der Richtlinie die gemeinsame Entgeltbewertung nach Art. 10: für berichtspflichtige Arbeitgeber, wenn der Bericht in einer Gruppe von Arbeitnehmern einen Unterschied von mindestens 5 Prozent zeigt, der nicht objektiv gerechtfertigt und nicht binnen sechs Monaten beseitigt ist.