Entgelttransparenz Guide

EU-Recht

EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970: Was auf Deutschland zukommt

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 3 Min.
EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970: Was auf Deutschland zukommt

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Ein Paradigmenwechsel

Am 10. Mai 2023 hat die EU die Richtlinie (EU) 2023/970 zur Staerkung der Anwendung des Grundsatzes des gleichen Entgelts fuer Maenner und Frauen verabschiedet. Diese Richtlinie ist weit mehr als ein Update — sie stellt die Entgelttransparenz in Europa auf voellig neue Fuesse.

Deutschland muss die Richtlinie bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen. Fuer Unternehmen bedeutet das: Die Regeln werden deutlich strenger als im bisherigen Entgelttransparenzgesetz.

Die wichtigsten Neuerungen im Ueberblick

ThemaBisheriges deutsches RechtNeue EU-Richtlinie
AuskunftsanspruchAb 200 BeschaeftigteAlle Beschaeftigten
EntgeltberichtAb 500 BeschaeftigteAb 100 Beschaeftigte
Gemeinsame BewertungFreiwilligPflicht bei GPG > 5%
StellenausschreibungenKeine GehaltspflichtGehaltsangabe Pflicht
BeweislastBeim ArbeitnehmerUmkehr: beim Arbeitgeber
SanktionenKeine BussgelderWirksame Sanktionen Pflicht
GehaltsverhandlungKeine VorgabeFrage nach Gehaltshistorie verboten

Gehaltstransparenz in Stellenausschreibungen

Eine der sichtbarsten Aenderungen: Arbeitgeber muessen kuenftig in Stellenausschreibungen oder vor dem Vorstellungsgespraech die Gehaltsspanne oder das Einstiegsgehalt angeben. Das aendert die gesamte Recruitingpraxis.

Was bedeutet das konkret?

  1. Jede Stellenausschreibung muss eine Gehaltsangabe enthalten
  2. Bewerber muessen vor dem ersten Gespraech ueber die Verguetung informiert werden
  3. Arbeitgeber duerfen nicht nach dem aktuellen oder frueheren Gehalt fragen
  4. Die Gehaltsspanne muss auf objektiven, geschlechtsneutralen Kriterien basieren

Verschaerfte Berichtspflichten

Die Berichtspflichten werden deutlich ausgeweitet:

Gemeinsame Entgeltbewertung

Wenn der Entgeltbericht einen Gender Pay Gap von mehr als 5 Prozent in einer Beschaeftigtengruppe zeigt und der Arbeitgeber diesen nicht durch objektive, geschlechtsneutrale Faktoren erklaeren kann, muss eine gemeinsame Entgeltbewertung durchgefuehrt werden.

Diese Bewertung erfolgt zusammen mit der Arbeitnehmervertretung und umfasst:

  1. Identifikation der Entgeltunterschiede nach Geschlecht
  2. Analyse der Ursachen
  3. Entwicklung von Massnahmen zur Beseitigung
  4. Ueberwachung der Wirksamkeit
  5. Information der Beschaeftigten ueber die Ergebnisse

Beweislastumkehr: Der Gamechanger

Die vielleicht wichtigste Neuerung: Wenn ein Beschaeftigter Fakten vorlegt, die auf eine Entgeltdiskriminierung hindeuten, liegt die Beweislast beim Arbeitgeber. Er muss beweisen, dass keine Diskriminierung vorliegt.

Das dreht die bisherige Praxis um. Bisher mussten Beschaeftigte beweisen, dass sie diskriminiert werden — was oft an fehlenden Informationen scheiterte. Kuenftig reicht ein Anfangsverdacht, und der Arbeitgeber muss sich erklaeren.

Schadenersatz und Entschaedigung

Beschaeftigte, die aufgrund ihres Geschlechts weniger verdienen, haben Anspruch auf:

Zeitplan fuer die Umsetzung in Deutschland

  1. Bis 7. Juni 2026: Umsetzung in nationales Recht
  2. Ab Umsetzung: Neue Regeln gelten sofort fuer Stellenausschreibungen und Auskunftsansprueche
  3. Ab 2027: Erste Entgeltberichte nach neuen Vorgaben (Unternehmen ab 250 Beschaeftigten)
  4. Ab 2031: Entgeltberichte auch fuer Unternehmen ab 100 Beschaeftigten
Mehr zur aktuellen Rechtslage: Entgelttransparenzgesetz. Zur praktischen Umsetzung: Gehaltstransparenz fuer Unternehmen.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Muessen Gehaelter kuenftig in Stellenausschreibungen stehen?

Ja, die EU-Richtlinie 2023/970 verlangt, dass Bewerber vor dem Vorstellungsgespraech ueber die Gehaltsspanne oder das Einstiegsgehalt informiert werden. Die genaue Umsetzung in deutsches Recht steht noch aus, aber die Pflicht ist klar.

Wann muss Deutschland die Richtlinie umsetzen?

Die Frist fuer die Umsetzung in nationales Recht laeuft am 7. Juni 2026 ab. Bis dahin muss der deutsche Gesetzgeber das Entgelttransparenzgesetz entsprechend anpassen oder ein neues Gesetz erlassen.

Was bedeutet die Beweislastumkehr fuer Arbeitgeber?

Wenn ein Beschaeftigter Anhaltspunkte fuer eine Entgeltdiskriminierung vorlegt, muss der Arbeitgeber beweisen, dass keine Diskriminierung vorliegt — nicht umgekehrt. Das erhoet den Druck auf Unternehmen, faire Entgeltstrukturen nachweisbar zu gestalten.