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Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG): Der vollständige Leitfaden 2026

Veröffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 4 Min.

Stand: 20. Oktober 2026. Die Umsetzungsfrist der Richtlinie (EU) 2023/970 (Art. 34 Abs. 1) ist am 7. Juni 2026 abgelaufen. Ein deutsches Umsetzungsgesetz liegt nicht vor. Nach der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7026, hib 587/2026 vom 16.07.2026) hat das federführende Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) die Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf getroffen und klärt noch einzelne Fragen; im Anschluss soll das Gesetzgebungsverfahren eingeleitet werden. Einen Zeitplan nennt die Bundesregierung nicht.

Kurzantwort: Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) gilt seit Juli 2017 und gewährt einen individuellen Auskunftsanspruch in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten (§ 12 Abs. 3 EntgTranspG). Die EU-Richtlinie (EU) 2023/970 verscharft diese Regeln — Auskunftsrecht ohne Größenschwelle, Berichtspflicht ab 100 Beschäftigten —, ist in Deutschland aber bislang nicht umgesetzt.

Das Entgelttransparenzgesetz: Mehr als nur ein Auskunftsrecht

Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) trat am 6. Juli 2017 in Kraft und verfolgt ein klares Ziel: gleiche Bezahlung fuer gleiche oder gleichwertige Arbeit, unabhaengig vom Geschlecht. Was damals als zaghafter erster Schritt begann, gewinnt durch die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie (EU) 2023/970 massiv an Bedeutung.

Denn die EU-Richtlinie soll das deutsche Gesetz erheblich verschaerfen. Wer sich jetzt schon mit dem bestehenden EntgTranspG vertraut macht, hat einen Vorsprung.

Die drei Saeulen des EntgTranspG

1. Individueller Auskunftsanspruch

Jeder Beschaeftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitenden (§ 12 Abs. 3 EntgTranspG) hat das Recht zu erfahren, nach welchen Kriterien und nach welchen Verfahren das Entgelt festgelegt wird. Konkret koennen Sie erfragen: Der Auskunftsanspruch richtet sich an den Betriebsrat, sofern vorhanden. In Betrieben ohne Betriebsrat direkt an den Arbeitgeber.

2. Betriebliche Pruefverfahren

Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschaeftigten werden aufgefordert (nicht verpflichtet!), betriebliche Pruefverfahren zur Entgeltgleichheit durchzufuehren. Diese umfassen:
  1. Bestandsaufnahme der Entgeltstrukturen
  2. Vergleich der Entgelte nach Geschlecht
  3. Identifikation von Ungleichheiten
  4. Erarbeitung von Massnahmen zur Beseitigung
  5. Dokumentation der Ergebnisse

3. Berichtspflicht

Unternehmen mit mehr als 500 Beschaeftigten, die lageberichtspflichtig sind, muessen alle fuenf Jahre ueber den Stand der Entgeltgleichheit berichten (§ 21 EntgTranspG). Der Bericht muss Angaben enthalten zu:

Staerken und Schwaechen des aktuellen Gesetzes

AspektStaerkeSchwaeche
AuskunftsanspruchErstmals individuelles RechtGilt erst ab 200 Beschaeftigten
PruefverfahrenStrukturierter ProzessNur freiwillig, keine Pflicht
BerichtspflichtTransparenz durch DatenKeine Sanktionen bei Nicht-Erfuellung
AnwendungsbereichAlle BranchenSchwellenwerte schliessen KMU aus

Was aendert sich durch die EU-Richtlinie?

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird das deutsche Gesetz grundlegend veraendern, sobald sie umgesetzt ist. Zentrale Neuerungen: Die Umsetzungsfrist war der 7. Juni 2026 — sie ist verstrichen. Nach der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7026, hib 587/2026 vom 16.07.2026) hat das federführende BMBFSFJ die Vorbereitungen für einen Gesetzentwurf getroffen und klärt noch einzelne Fragen; danach soll das Gesetzgebungsverfahren eingeleitet werden. Einen Zeitplan nennt die Bundesregierung nicht. Bis zum Inkrafttreten des deutschen Umsetzungsgesetzes gilt unveraendert das EntgTranspG von 2017. Unternehmen sollten sich dennoch jetzt vorbereiten.

Praktische Tipps fuer Arbeitgeber

  1. Analysieren Sie Ihre Entgeltstrukturen proaktiv — warten Sie nicht auf Auskunftsanfragen
  2. Fuehren Sie ein betriebliches Pruefverfahren durch, auch wenn es freiwillig ist
  3. Bereiten Sie sich auf die strengeren Anforderungen der EU-Richtlinie vor
  4. Schulen Sie Ihre HR-Abteilung zu Entgelttransparenz
  5. Nutzen Sie die Berechnung der Lohnluecke als Analyseinstrument

Praktische Tipps fuer Arbeitnehmer

Details zur EU-Richtlinie: Entgelttransparenzrichtlinie. Zur Berechnung der Lohnluecke: Lohnluecke berechnen.

Quellen: Entgelttransparenzgesetz (gesetze-im-internet.de) · Richtlinie (EU) 2023/970 (EUR-Lex) · Deutscher Bundestag, hib 587/2026 zu BT-Drs. 21/7026

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer hat einen Auskunftsanspruch nach dem EntgTranspG?

Alle Beschaeftigten in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitenden haben einen individuellen Auskunftsanspruch (§ 12 Abs. 3 EntgTranspG). Sie koennen das Vergleichsentgelt des anderen Geschlechts fuer gleiche oder gleichwertige Taetigkeit erfragen.

Muessen Arbeitgeber das Gehalt in Stellenausschreibungen nennen?

Nach dem aktuellen deutschen EntgTranspG besteht noch keine solche Pflicht. Die EU-Richtlinie 2023/970 sieht vor (Art. 5), dass Bewerber vor dem Vorstellungsgespraech ueber das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne informiert werden — der Kanal dafuer ist frei waehlbar. Ein deutsches Umsetzungsgesetz liegt nach Stand vom 20. Oktober 2026 noch nicht vor.

Gibt es Strafen fuer Unternehmen, die das Gesetz nicht einhalten?

Das aktuelle EntgTranspG sieht keine direkten Bussgelder vor. Die EU-Richtlinie wird Sanktionen einfuehren, die wirksam und abschreckend sein muessen (Art. 23). Konkrete Bussgeldrahmen stehen erst nach Vorliegen des deutschen Umsetzungsgesetzes fest, das nach Stand vom 20. Oktober 2026 noch nicht einmal als Referentenentwurf existiert.

Welche Unternehmen muessen heute nach dem EntgTranspG berichten?

Nur Arbeitgeber mit in der Regel mehr als 500 Beschaeftigten, die nach §§ 264, 289 HGB lageberichtspflichtig sind (§ 21 EntgTranspG). Der Bericht zur Gleichstellung und Entgeltgleichheit wird dem Lagebericht als Anlage beigefuegt, derzeit alle fuenf Jahre.

Ist das betriebliche Pruefverfahren nach dem EntgTranspG Pflicht?

Nein. Arbeitgeber mit mehr als 500 Beschaeftigten werden lediglich aufgefordert, ein betriebliches Pruefverfahren zur Entgeltgleichheit durchzufuehren — eine Rechtspflicht und Sanktionen bei Unterlassung sieht das Gesetz nicht vor.

Was ist der wichtigste Unterschied zwischen EntgTranspG und der EU-Richtlinie 2023/970?

Das EntgTranspG knuepft Auskunftsanspruch und Berichtspflicht an Schwellenwerte von 200 bzw. 500 Beschaeftigten und sieht keine Sanktionen vor. Die Richtlinie 2023/970 gewaehrt ein Auskunftsrecht ohne Groessenschwelle (Art. 7), senkt die Berichtspflicht auf 100 Beschaeftigte (Art. 9) und verlangt wirksame Sanktionen (Art. 23) — ist in Deutschland aber noch nicht umgesetzt.