Entgelttransparenz Guide

EU-Recht

EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Was die Umsetzung in Deutschland bedeutet

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 2 Min.
EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Was die Umsetzung in Deutschland bedeutet

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie: Revolution der Gehaltstransparenz

Am 7. Juni 2023 trat die EU-Richtlinie 2023/970 in Kraft. Die Mitgliedstaaten haben bis zum 7. Juni 2026 Zeit zur Umsetzung. Fuer Deutschland bedeutet das: grundlegende Ueberarbeitung des Entgelttransparenzgesetzes. Was bisher freiwillig war, wird zur Pflicht. Was folgenlos blieb, wird sanktioniert.

Neuerungen im Ueberblick

ThemaBisher (EntgTranspG)Neu (EU-Richtlinie)
AuskunftsanspruchAb 200 BeschaeftigteAlle Unternehmen
EntgeltberichtAb 500 BeschaeftigteAb 100 Beschaeftigte
StellenausschreibungKeine PflichtGehaltsspanne Pflicht
BeweislastArbeitnehmerArbeitgeber (Umkehr!)
SanktionenKeineVerpflichtend, abschreckend
Gemeinsame BewertungNicht vorgesehenAb 5% Pay Gap Pflicht

Gehaltstransparenz ab der Stellenausschreibung

Arbeitgeber muessen kuenftig die Gehaltsspanne angeben — in der Stellenausschreibung oder vor dem ersten Vorstellungsgespraech. Das Fragen nach dem bisherigen Gehalt wird verboten. "Gehalt: Verhandlungssache" gehoert der Vergangenheit an.

Auskunftsanspruch ohne Schwellenwerte

Kein 200-Beschaeftigten-Minimum mehr, keine Sechs-Personen-Vergleichsgruppe, Antwortfrist zwei statt drei Monate. Arbeitgeber muessen Beschaeftigte aktiv ueber ihr Auskunftsrecht informieren.

Verpflichtende Entgeltberichterstattung

UnternehmensgroesseFrequenzAb wann
Ab 250 BeschaeftigteJaehrlich2027
150-249 BeschaeftigteAlle 3 Jahre2027
100-149 BeschaeftigteAlle 3 Jahre2031

Gemeinsame Entgeltbewertung bei 5% Gap

Zeigt der Bericht einen Pay Gap ueber 5% in einer Kategorie ohne sachliche Begruendung, muss gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung eine Bewertung erfolgen — mit Massnahmen und Fristen.

Beweislastumkehr: Der Gamechanger

Bisher musste der Arbeitnehmer Diskriminierung nachweisen. Kuenftig muss der Arbeitgeber Nichtdiskriminierung beweisen. Arbeitgeber muessen ihre Entgeltstrukturen lueckenlos dokumentieren koennen.

Sanktionen mit Biss

Erstmals vorgeschrieben: wirksame, verhaeltnismaessige und abschreckende Sanktionen inklusive Bussgeld. Diskriminierte haben Anspruch auf Nachzahlung, Schadensersatz und Zinsen.

Zeitplan fuer Unternehmen

2026: Entgeltstrukturen analysieren, Stellenausschreibungen anpassen, HR schulen. 2027: Erste verpflichtende Berichte ab 150 Beschaeftigte, gemeinsame Bewertung bei > 5% Gap. 2031: Berichtspflicht ab 100 Beschaeftigte.

Was jetzt zu tun ist

  1. Entgeltanalyse durchfuehren
  2. Entgeltstrukturen auf geschlechtsneutrale Kriterien pruefen
  3. Gehaltsbaender definieren und in Stellenausschreibungen veroeffentlichen
  4. Dokumentation aufbauen
  5. Software evaluieren
  6. Betriebsrat einbinden
Die Richtlinie ist keine Bedrohung, sondern eine Chance: Faire Bezahlung als Wettbewerbsvorteil im Kampf um Fachkraefte.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Bis wann muss die EU-Richtlinie umgesetzt werden?

Bis zum 7. Juni 2026. Erste Berichtspflichten gelten ab 2027 fuer Unternehmen ab 150 Beschaeftigten.

Muessen auch kleine Unternehmen Gehaelter angeben?

Ja. Die Pflicht zur Gehaltsangabe in Stellenausschreibungen gilt unabhaengig von der Unternehmensgroesse.

Was passiert bei einem Pay Gap ueber 5%?

Der Arbeitgeber muss gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung eine Entgeltbewertung durchfuehren und Massnahmen ergreifen.