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Recht

Auskunftsanspruch nach dem Entgelttransparenzgesetz: So nutzen Sie Ihr Recht

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 3 Min.
Auskunftsanspruch nach dem Entgelttransparenzgesetz: So nutzen Sie Ihr Recht

Auskunftsanspruch nach dem EntgTranspG: Wissen, was die Kollegen verdienen

Stellen Sie sich vor: Sie arbeiten seit fuenf Jahren als Projektmanagerin, erledigen dieselben Aufgaben wie Ihr maennlicher Kollege — und erfahren beim Mittagessen, dass er 600 Euro mehr im Monat bekommt. Genau fuer solche Situationen hat der Gesetzgeber den individuellen Auskunftsanspruch geschaffen.

Seit dem 6. Januar 2018 koennen Beschaeftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitenden Auskunft ueber das Vergleichsentgelt verlangen. Klingt einfach, hat aber in der Praxis einige Tuecken.

Wer hat Anspruch auf Auskunft?

Der Auskunftsanspruch gilt unter folgenden Bedingungen: Die Sechs-Personen-Regel ist der groesste Stolperstein. Sie dient dem Datenschutz, fuehrt aber dazu, dass in spezialisierten Positionen der Anspruch oft ins Leere laeuft.

Was genau erfahren Sie?

1. Das Vergleichsentgelt (Median)

Sie erfahren den Median des monatlichen Bruttoentgelts der Vergleichsgruppe des anderen Geschlechts — den Wert, bei dem die Haelfte mehr und die Haelfte weniger verdient.

2. Bis zu zwei Entgeltbestandteile

Zum Beispiel Grundgehalt, Leistungszulage, Ueberstundenzuschlaege, Bonus oder Firmenwagen.

3. Kriterien und Verfahren der Entgeltfindung

Der Arbeitgeber muss erklaeren, nach welchen Massstaaeben das Entgelt festgelegt wird.

So stellen Sie den Auskunftsantrag

Der Antrag muss schriftlich gestellt werden (Textform genuegt). Er richtet sich in Betrieben mit Betriebsrat an diesen, sonst direkt an den Arbeitgeber.

Musterformulierung

> Sehr geehrte Damen und Herren, > > gemaess Paragraphen 10-16 EntgTranspG mache ich meinen individuellen Auskunftsanspruch geltend. Ich bitte um Auskunft ueber das Vergleichsentgelt (Median) fuer meine Taetigkeit als [Position] gegenueber Beschaeftigten des anderen Geschlechts, die Entgeltbestandteile Grundgehalt und [Bestandteil] sowie die Kriterien der Entgeltfindung.

Fristen und Konsequenzen

Der Arbeitgeber hat drei Monate Antwortzeit. Bei Nichtbeantwortung tritt eine Beweislastumkehr ein — der Arbeitgeber muss dann beweisen, dass keine Diskriminierung vorliegt. Das ist ein starker Hebel.

Was tun bei einer Entgeltdifferenz?

  1. Gruende pruefen: Berufserfahrung, Qualifikation und Leistung koennen sachliche Gruende sein
  2. Gespraech suchen: Zahlen vorlegen und sachlich argumentieren
  3. Betriebsrat einschalten: Vermittlung und eigene Informationsrechte
  4. Antidiskriminierungsstelle: Kostenlose Beratung
  5. Arbeitsgerichtsklage: Letztes Mittel bei klarer Diskriminierung

Was die EU-Richtlinie aendert

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie weitet den Auskunftsanspruch deutlich aus: kein Schwellenwert mehr, keine Sechs-Personen-Vergleichsgruppe, kuerzere Fristen, automatische Beweislastumkehr.

Praxisbeispiel

Eine Senior-Controllerin in einem DAX-Konzern erfuhr nach sieben Jahren per Auskunftsantrag: Der Median der maennlichen Kollegen lag 850 Euro ueber ihrem Gehalt. Nach Einschaltung des Betriebsrats wurde ihr Gehalt um 700 Euro angehoben — rueckwirkend fuer sechs Monate. Laut BMFSFJ-Studie fuehren 44% der Auskunftsanfragen zu Gehaltsanpassungen.

Haeufige Fehler

Zurueck zum Entgelttransparenzgesetz Leitfaden. Mehr zur Gehaltstransparenz im Unternehmen.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann mein Arbeitgeber den Auskunftsanspruch verweigern?

Nein, sofern die Voraussetzungen erfuellt sind. Verweigert er die Auskunft, tritt nach 3 Monaten eine Beweislastumkehr ein.

Erfahre ich das genaue Gehalt meiner Kollegen?

Nein. Sie erfahren den Median der Vergleichsgruppe, nicht individuelle Gehaelter.

Kann ich den Auskunftsanspruch mehrfach nutzen?

Ja, aber erst nach Ablauf von zwei Jahren seit dem letzten Auskunftsverlangen.