Entgelttransparenz Guide

Analyse

Lohnluecke berechnen: Gender Pay Gap richtig messen und analysieren

Veroeffentlicht: 2026-03-27 Lesezeit: 3 Min.
Lohnluecke berechnen: Gender Pay Gap richtig messen und analysieren

Gender Pay Gap berechnen: So geht es richtig

Der Gender Pay Gap (GPG) ist die zentrale Kennzahl der Entgelttransparenz. Aber Vorsicht: Die falsche Berechnung fuehrt zu falschen Schlussfolgerungen. In Deutschland liegt der unbereinigte GPG bei rund 18 Prozent — das heisst, Frauen verdienen im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Maenner. Doch diese Zahl allein sagt wenig aus.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap. Und genau diesen Unterschied muessen Sie verstehen, bevor Sie mit der Analyse beginnen.

Unbereinigter vs. bereinigter Gender Pay Gap

KennzahlDefinitionDeutschland 2025Aussagekraft
Unbereinigter GPGUnterschied der Brutto-Stundenloehne ohne Bereinigungca. 18%Gesamtindikator
Bereinigter GPGNach Bereinigung um Branche, Berufserfahrung, Arbeitszeit etc.ca. 6%Diskriminierungsindikator
GPG pro GruppeInnerhalb vergleichbarer TaetigkeitsgruppenVariiertAm praezisesten
Der unbereinigte GPG zeigt den Gesamtunterschied, einschliesslich struktureller Faktoren (Frauen arbeiten haeufiger in schlechter bezahlten Branchen, in Teilzeit, in niedrigeren Positionen). Der bereinigte GPG eliminiert diese Faktoren und zeigt den verbleibenden Unterschied bei tatsaechlich vergleichbarer Arbeit.

Schritt-fuer-Schritt-Berechnung

1. Daten sammeln

Sie benoetigen pro Beschaeftigtem:

2. Auf Vollzeit hochrechnen

Teilzeitgehaelter muessen auf Vollzeitaequivalente hochgerechnet werden, um vergleichbare Werte zu erhalten:

Vollzeit-Aequivalent = Teilzeitgehalt / (Wochenstunden / 40)

3. Unbereinigten GPG berechnen

Formel: GPG (unbereinigt) = (Median Maenner - Median Frauen) / Median Maenner x 100

Verwenden Sie den Median, nicht den Durchschnitt — der Median ist robuster gegenueber Ausreissern (z.B. sehr hohe Vorstandsgehaelter).

4. Bereinigten GPG berechnen

Fuer die Bereinigung gibt es mehrere Methoden:
  1. Regressionsanalyse (am praezisesten): Ein statistisches Modell beruecksichtigt alle erklaerenden Variablen gleichzeitig. Der verbleibende Geschlechtseffekt ist der bereinigte GPG.
  2. Vergleich innerhalb von Gruppen: Bilden Sie Gruppen vergleichbarer Taetigkeiten und berechnen Sie den GPG innerhalb jeder Gruppe.
  3. Oaxaca-Blinder-Zerlegung: Zerlegt den GPG in einen erklaerten (strukturellen) und einen unerklarten (potenziell diskriminierenden) Anteil.

5. Ergebnisse interpretieren

Ein bereinigter GPG unter 5 Prozent gilt nach der EU-Richtlinie als akzeptabel. Liegt er darueber, muessen Sie handeln:

Haeufige Fehlerquellen

Tools fuer die GPG-Berechnung

Grundlagen zum Gesetz: EntgTranspG-Leitfaden. Praktische Umsetzung im Unternehmen: Gehaltstransparenz.

Haeufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen bereinigtem und unbereinigtem Gender Pay Gap?

Der unbereinigte GPG zeigt den Bruttolohnunterschied ohne Bereinigung — er liegt in Deutschland bei ca. 18%. Der bereinigte GPG beruecksichtigt Faktoren wie Branche, Position und Erfahrung und liegt bei ca. 6%. Letzterer zeigt den potenziell diskriminierenden Anteil.

Ab welchem GPG muss ich handeln?

Die EU-Richtlinie 2023/970 setzt die Schwelle bei 5 Prozent. Liegt der bereinigte GPG innerhalb einer Beschaeftigtengruppe ueber 5% und kann nicht durch objektive Faktoren erklaert werden, ist eine gemeinsame Entgeltbewertung Pflicht.

Welche Daten brauche ich fuer die Berechnung?

Sie benoetigen mindestens: Bruttogehalt (alle Bestandteile), Geschlecht, Arbeitszeit, Taetigkeit/Einstufung, Berufserfahrung und Qualifikation. Je mehr Variablen Sie einbeziehen, desto praeziser wird der bereinigte GPG.