Entgelttransparenzgesetz 2026: Neue Pflichten für Arbeitgeber
Schnellantwort: Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) von 2017 soll durch die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (EU) 2023/970 erheblich verschaerft werden. Die Umsetzungsfrist (7. Juni 2026) ist verstrichen, ein deutsches Umsetzungsgesetz liegt nach Stand vom 5. Oktober 2026 nicht vor (kein Referentenentwurf, vgl. BT-Drs. 21/7026 vom 16.07.2026). Bis zum Inkrafttreten gilt unveraendert das EntgTranspG von 2017.
Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie vorsieht
Hauptneuerungen gegenueber dem bestehenden EntgTranspG, sobald das deutsche Umsetzungsgesetz in Kraft tritt: Vorvertragliche Transparenz (Art. 5 der Richtlinie)- Bewerber erhalten vor dem Vorstellungsgespraech Informationen zum Einstiegsentgelt oder dessen Spanne. Art. 5 Abs. 1 laesst den Kanal frei: Stellenausschreibung, eine andere Mitteilung vorab oder das Gespraech selbst. Eine Pflicht, das Entgelt direkt in der Stellenanzeige zu nennen, schreibt die Richtlinie nicht vor.
- Arbeitgeber duerfen Bewerber nicht nach deren aktuellem oder frueherem Entgelt fragen (Art. 5 Abs. 2)
- Alle Beschaeftigten sollen den Auskunftsanspruch erhalten, nicht erst ab einer Mindestbetriebsgroesse wie heute (§ 12 Abs. 3 EntgTranspG verlangt aktuell mehr als 200 Beschaeftigte)
- Auskunft ist innerhalb von 2 Monaten zu erteilen (Art. 7 Abs. 4)
- Auskunft muss auch Angaben zur Entgeltspanne der Vergleichsgruppe enthalten
- Ab 250 Beschaeftigten: jaehrlich, erster Bericht bis 7. Juni 2027 (Art. 9 Abs. 2)
- 150 bis 249 Beschaeftigte: alle drei Jahre, erster Bericht bis 7. Juni 2027 (Art. 9 Abs. 3)
- 100 bis 149 Beschaeftigte: alle drei Jahre, erster Bericht erst bis 7. Juni 2031 (Art. 9 Abs. 3)
- Unter 100 Beschaeftigten: keine Berichtspflicht
- Zum Vergleich, heutiges Recht: § 21 EntgTranspG verlangt nur von lageberichtspflichtigen Unternehmen ab 500 Beschaeftigten alle fuenf Jahre einen narrativen Bericht, ohne quantitative Kennzahlen.
Der Entgeltauskunftsanspruch im Detail
Jede/r Beschaeftigte kann nach Inkrafttreten des deutschen Umsetzungsgesetzes Auskunft verlangen ueber:- Das eigene aktuelle Entgelt (Grundgehalt + variable Bestandteile)
- Das mittlere Entgelt (Median) einer Vergleichsgruppe von mindestens 6 Personen gleichen Geschlechts mit gleicher oder gleichwertiger Arbeit
- Die angewandten Entgeltkriterien und -systeme
Handlungspflichten fuer Arbeitgeber
Sinnvoll schon jetzt, unabhaengig vom Umsetzungsstand
- Entgeltdaten strukturieren: Gehaltsdaten nach Geschlecht, Taetigkeitsgruppe und Entgeltbestandteilen aufbereiten
- Gender Pay Gap analysieren: Entgeltunterschiede je Vergleichsgruppe berechnen
- Auskunftsprozess vorbereiten: Wer beantwortet kuenftige Auskunftsbegehren? Welche Daten werden herangezogen?
Nach Inkrafttreten des deutschen Umsetzungsgesetzes
- Stellenanzeigen/Bewerbungsprozess anpassen: Entgeltinformation vor dem Gespraech bereitstellen (Kanal frei waehlbar, Art. 5 Abs. 1)
- Massnahmenplan entwickeln: Wo gibt es unerklaerte Entgeltunterschiede ueber 5 %? Was wird unternommen? (gemeinsame Entgeltbewertung nach Art. 10)
- Betriebsrat einbinden: Der Betriebsrat hat bei Massnahmen zur Herstellung von Entgeltgleichheit ein Mitbestimmungsrecht
- Bericht erstellen: je nach Unternehmensgroesse ab 2027 oder 2031 (Art. 9 Abs. 2-3)
Sanktionen
Art. 23 der Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten zu "wirksamen, verhaeltnismaessigen und abschreckenden" Sanktionen. Welche Bussgeldrahmen das deutsche Umsetzungsgesetz konkret vorsehen wird, steht nicht fest — ein Referentenentwurf liegt nach Stand vom 5. Oktober 2026 nicht vor. Unabhaengig von Bussgeldern gilt: Bei statistisch nachweisbarem Entgeltunterschied kehrt sich die Beweislast um, der Arbeitgeber muss die Nichtdiskriminierung belegen (Art. 18 der Richtlinie).Weiterfuehrende Informationen: Entgeltbericht erstellen, Gender Pay Gap Deutschland: Statistiken, und Gleiches Entgelt fuer Maenner und Frauen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was aendert sich durch die EU-Richtlinie in Deutschland?
Die Richtlinie (EU) 2023/970 soll den individuellen Auskunftsanspruch auf alle Beschaeftigten ausweiten, Entgeltinformationen vor dem Vorstellungsgespraech einfuehren und die Berichtspflicht von 500 auf 100 Beschaeftigte absenken. Die Umsetzungsfrist (7. Juni 2026) ist verstrichen; ein deutsches Umsetzungsgesetz liegt noch nicht vor (Stand 5. Oktober 2026, BT-Drs. 21/7026).
Ab wann gilt die Berichtspflicht und fuer wen?
Nach Art. 9 der Richtlinie in vier Stufen: ab 250 Beschaeftigten jaehrlich ab 7. Juni 2027, bei 150 bis 249 Beschaeftigten alle drei Jahre ab 7. Juni 2027, bei 100 bis 149 Beschaeftigten alle drei Jahre erst ab 7. Juni 2031. Unter 100 Beschaeftigten besteht keine Pflicht. Heute gilt noch § 21 EntgTranspG: Pflicht erst ab 500 Beschaeftigten, alle fuenf Jahre.
Muss das Gehalt kuenftig in der Stellenanzeige stehen?
Nicht zwingend. Art. 5 Abs. 1 der Richtlinie verlangt, dass Bewerber vor dem Gespraech ueber das Einstiegsentgelt informiert werden — der Arbeitgeber kann dafuer die Stellenanzeige, eine andere Mitteilung vor dem Gespraech oder das Gespraech selbst waehlen.
Ist die EU-Richtlinie in Deutschland schon anwendbar?
Nein. Die Umsetzungsfrist lief am 7. Juni 2026 ab, ein Referentenentwurf liegt nach Stand vom 5. Oktober 2026 nicht vor. Bis zum Inkrafttreten eines deutschen Gesetzes gilt weiterhin das EntgTranspG von 2017 in seiner bisherigen Fassung.
Was droht bei Verstoessen gegen die kuenftigen Pflichten?
Art. 23 der Richtlinie verlangt wirksame, verhaeltnismaessige und abschreckende Sanktionen; konkrete Bussgeldrahmen legt erst das deutsche Umsetzungsgesetz fest, das noch aussteht. Unabhaengig davon sieht Art. 18 eine Beweislastumkehr bei statistisch nachweisbarem Entgeltunterschied vor.